Ich frage mich immer: Lenkt das Werbe-Argument der "Allwettertauglichkeit" so massiv von einer viel wichtigeren Frage ab?


Denn genau das hört man aus vielen Gesprächen mit Stallbetreibern heraus, die sich mit einem Teppichschnitzel-Reitplatz auseinandersetzen. Das Werbe-Argument der geringen Pflege und des "Nicht-Gefrierens" scheint Interessenten von dem abzulenken, was meiner Meinung nach doch das wichtigste Entscheidungskriterium für einen Reitplatz sein sollte:

Wie gut ist der Platz für die Gesunderhaltung meiner Pferde? Kann ich alle Disziplinen darauf reiten? Bringt er für meine Bedürfnisse ausreichend Scherfestigkeit und Rutschsicherheit mit?

 

Das sagt der Sachverständige zu Teppichschnitzel-Reitplätzen


Um den ganzen Text zu lesen, empfehle ich die St. Georg zu kaufen. ;-) Übrigens eine klasse Ausgabe mit einem tollen Bericht über Kalkulation von Boxenmieten, der für Stallbetreiber sehr interessant sein dürfte. Aber zurück zum Thema:

Dr. Georg Fink (der zu den anerkannten Experten im Reitplatzbau zählt) äußert in seinem Statement, dass viele Teppichschnitzel-Reitböden, die er gesehen hat, stauben. Ein Teil der ihm bekannten Böden war nicht mal für mehr als Schritt-Reiten geeignet!

Er weist aber auch darauf hin - und das ist mir der Fairness halber wichtig zu erwähnen - dass es Plätze gibt, die gut funktionieren. Nur selten seien halt alle Bedingungen wie Platzaufbau, Pflege, Wetter usw. so zusammengekommen, dass dies auch der Fall war.


 

teppichschnitzel-reitplatz-.jpg



Worauf setzen Profis und Turnierveranstalter?


Es zeigt sich doch deutlich, dass erfahrene Pferdeleute in 9 von 10 Fällen auf Reitböden aus einem ordentlichen Reitsand - bzw. Reitsand-Vlieshäcksel-Gemisch setzen. Natürlich wirbt ein Kollege aus der Teppichschnitzel-Branche mit einer Dressurreiterin, die er ausgestattet hat. Aber das ist ein Profi unter Hunderten, die sich anders entschieden haben. Wobei wir hier das Pferdemanagement und die Fähigkeiten der Dame sehr schätzen.

Interessanterweise ist mir kein einziges, namhaftes Turnier in Deutschland oder auch im europäischen Umland bekannt, das auf Teppichschnitzel-Plätzen stattfindet.


 

Ja, ich mag diese künstlichen Reitplätze nicht. Aber es geht auch um Fairness.


Wir haben noch nie und werden auch nie Mitbwerber schlecht machen. Mein Anliegen ist vielmehr zum Nachdenken anzuregen.
Grundsätzlich belebt Konkurrenz das Geschäft und so betrachte ich die Textilschnitzel-Anbieter auch als Hinweis an uns herkömmliche Reitsand-Anbieter, an der Qualität unserer Böden zu arbeiten und zu erforschen, wo noch Innovationspotenzial liegt.

Was ich aber nicht mag, sind Aussagen a la "gefriert nie", was ich persönlich schon anders gesehen habe und was auch ehemalige Teppichschnitzel-Kunden uns berichtet haben. Ebenso verhält es sich mit den Reiteigenschaften. Die möge aber natürlich jeder für sich selbst beurteilen. Wenn dann auch noch hanebüchende Kostenvergleiche angestellt werden, die zumindest wir locker unterbieten können, hört es für mich mit der Fairness dem Kunden gegenüber auf.

 

Wieso nennt eigentlich keiner ehrlich die Vor- und Nachteile?


Auf den Punkt gebracht ist es doch so: Ein Teppichschnitzel-Reitplatz braucht (ebenso wie z.B. ein Siebgut-Reitplatz) weniger Pflege als ein herkömmlicher Reitplatz. Wobei das bei einem Ebbe-Flut-System auch schon wieder relativiert wird...
Durch die gröbere Struktur gefriert er auch nicht so schnell. Das ist sicherlich ein Plus-Punkt: ABER, was die Reiteigenschaften angeht, hat so ein Platz keine Chance gegen einen professionellen Reitsand!

Und wie oben schon erwähnt, sollte das nicht unser aller Hauptanliegen sein? Schließlich geht es beim Reitboden um unsere Pferde.

 

 

Zu guter letzt: Gerne können Sie mir jetzt Ihre Meinung geigen ;-)

Mir ist natürlich klar, dass sich nun gerade Anbieter des Produkts oder auch zufriedene Kunden (natürlich gibt es die!) auf den Schlips getreten fühlen könnten. Darum möchte ich hier nochmal betonen, dass es sich um meine persönliche Meinung handelt. Ich denke Stallbetreiber bringt nur ein offener und ehrlicher Umgang mit dem Thema Reitböden weiter und in diesem Sinne muss man auch mal kontrovers diskutieren dürfen.

Gerne tue ich das auch mit Ihnen! Schreiben Sie mir direkt an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Beste Grüße
Daniel Dirkes

 

 

Eine Antwort per Mail auf diesen Beitrag:

Ganz herzlichen Dank dafür! Wir haben den Namen der freundlichen Dame, die sich intensiv Gedanken zu dem Thema "Volltextilboden" gemacht hat entfernt - ebenso wie den Hersteller des Reitbodens.


Hallo, Herr Dirkes!

Prima, dass man sich mit jemandem über die Vor- und Nachteile beider Arten eines Reitbodens, Textil und Sand, austauschen kann.

Ich bin schon auf vielen verschiedenen Böden geritten ( Dressur bis S). Nörten-Hardenberg, Hannover, Hildesheim, Nienhagen, Wolfsburg, Hagen, Verden, Bettenrode…. Großteils tolle Sandplätze, manchmal mit kleinen Unannehmlichkeiten. Irgendwann wollte ich meine Pferde zu Hause haben und so baute ich mir einen Reitplatz. Eine Halle steht nicht zur Verfügung, auch nicht in der näheren Umgebung, jedoch möchte ich ganzjährig reiten können.

Sie wissen, was kommt?

Also, mit dem [...] Hersteller hatte ich nur Probleme und habe schließlich diesen Belag mit dem Klassiker aufgepeppt.

Ja, ich gebe ihnen Recht: In Puncto Scherfestigkeit kann mein Teppichschnitzel-Reitplatz nicht mithalten.

Seine Pflege ist ebenso aufwändiger, als Sie denken: regelmäßiges Schließen der Löcher nach dem Laufen lassen, langsames Walzen… Aufwand, bis 1000 qm fertig sind: knapp 3 Stunden.

Auch dieser Platz muss gewässert werden, um eine bessere… zugegeben aber trotzdem noch nicht vergleichbare…Scherfestigkeit zu erreichen. Und er benötigt viel Wasser, Minimum 5 mm pro Tag. Wird er zu trocken, fördert dies die Bildung von Löchern, die Scherfestigkeit wird so schlecht, dass man zunächst kaum noch durch die Ecken reiten kann, rutscht, und später stolpern die Pferde regelrecht über den Platz.

Weitere Nachteile: Er wird durch Sonneneinstrahlung sehr heiß, was ihn im Sommer zum Brutkasten mutieren lässt, bei andauernder Trockenheit ( also, wenn man das Wässern unterlässt)  lädt er  sich elektrisch auf und staubt auch leicht. Zwar lange nicht so, wie ein zu trockener herkömmlicher Sandplatz, aber für die Atemwege könnte ich es mir durchaus ungesund vorstellen. Leider wird einem dieser Umstand beim Erwerb eines solchen Platzes nicht mitgeteilt.

 

Mit regelmäßigem Wässern lässt sich der Pflegeaufwand für Walzen und Hufschlag/Löcher ebnen von 1x  wöchentlich auf bis zu alle 6-8 Wochen reduzieren. In den regenreichen Zeiten komme ich also fast ohne Pflege aus.

 

Nun zum großen Plus des textilen Belags:  Ich kann bei bis zu 10 cm Schnee reiten, bei Kahlfrösten ( nicht bei Wechselfrösten mit Schneedecke (= 1 Tag im letzten Winter)) und sogar während ( aber wer macht das schon) oder unmittelbar nach sintflutartigen Regenfällen ( dann ist der Platz am allerbesten) …. Ich kenne keinen einzigen Außenplatz in dieser Region, auf dem das möglich ist. Matsch/Wasser spritzt bis unter den Pferdebauch und noch höher, Sattelzeug, Pferd, Reiter, Gamaschen, Glocken sind nass, sandig, sehen aus wie „Sau", und was bei Frost ist, entzieht sich meiner Kenntnis ( Magnesiumchlorid soll ja nicht auf bereits gefrorenen Boden, weil es sonst nicht mehr wirkt, und wird zudem schnell ausgewaschen) ….  dieser Zeitraum ist nicht unerheblich. Da kommen schnell Wochen und Monate zusammen.

 

Ich habe keinerlei Pfützenbildung, die Hufe der Pferde sind immer Picobello, brauchen ganzjährig wirklich gar nicht gewaschen zu werden, ich muss bei Verlassen des Platzes weder die Hufe auskratzen, noch fegen. Selbst Pferde mit Defiziten am Bewegungsapparat können auf dem textilen Belag laufen.

Natürlich sind kranke Pferde kein Maßstab, nicht erstrebenswert und gehören schon gar nicht aufs Turnier. Aber einem Arthrose-geplagen Rentnerpferd, das auch gerne nochmal schmerzfrei bewegt werden möchte, gefällt ein solcher Platz deutlich  besser. Das heißt doch für mich, dass der Belag doch zumindest die Gelenke weniger strapaziert. Ebenso , und dieser Trend ist nicht von der Hand zu weisen, ist eine Barhufumstellung mit einem solchen Platz reibungsloser ( im wahrsten Sinne des Wortes).  Und selbst, wenn man beim Beschlag bleibt: geht einmal ein Eisen verloren, laufen selbst fühlige Pferde ohne Probleme weiter  und die Hufe brechen kaum aus. [...]

 

Natürlich hätte ich gerne eine Eier legende Wollmilchsau. Aber irgendwo musste ich Kompromisse eingehen.

Natürlich hätte ich gerne den idealen Reitplatz mit einer Top- Scherfestigkeit, den ich ganzjährig bereiten könnte, laufen lassen, longieren (die letzen beiden Punkte strapazieren meinen textilen Belag sehr, begründen etwa 60-70 % der Pflegemaßnahmen und sind in Reitanlagen zur Schonung des Sand-Belags untersagt), staubt nicht, friert nicht, braucht keine Pflege…. was das Herz begehrt. 

Und wenn Sie mir garantieren würden, dass Ihr Produkt diese Kriterien erfüllt…. erstmal könnte ich es kaum glauben.

Sicher, und darauf weist [der Hersteller des Teppichschnitzel Reitplatzbelag] ausdrücklich hin, soll man sich nicht ausschließlich auf diesem Belag bewegen. Mal ins Gelände, und /oder viel Wiese für andere Böden…. Ich habe seinerzeit nicht nachgefragt, warum. Aber ich kann es mir vorstellen, dass es einmal um den Boden-Gegendruck für das Hufwachstum geht, und dann um die Festigung der Sehen und Bänder. Diese Probleme haben Sie mit Ihrem Sand natürlich nicht. Aber 1 x die Woche ausschließlich, oder regelmäßig vor oder nach der Arbeit 20 min ins Gelände - das ist ein Ausgleich, der  Pferd und Reiter Spaß macht.

 

Soweit meine Darstellung begründet durch die Praxis.

Denken Sie, ich habe eine falsche Entscheidung mit meinem Belag getroffen?

 

Gerne würde ich Ihre Sichtweise erfahren.

 

Viele Grüße

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Ist der Reitplatzbau erstmal abgeschlossen, geht die eigentliche Arbeit erst los. Denn wer seinen Reitboden richtig pflegt kann die Haltbarkeit locker verdoppeln! Dazu gehört auch das richtige Schleppen des Reitplatzes.

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Brauche ich für meinen Reitplatz wirklich eine Trennschicht? Wir zeigen auf warum eine Trennschicht langfristig viel Geld spart.